ehr als 4.000 Besucher waren anlässlich der Zeitreise 2013 – "zu Gast" auf der Veste Coburg. Sie stand unter dem Motto "Kampfkunst" (Fechten) und "Feuerkraft" (Feuerwaffen).

ei idealem Wetter führte die Zuschauer ein reichhaltiges, abwechslungsreiches qualitätvolles Programm in die Welten der historischen Fecht- und Artilleriekunst (Feuerkraft). Für die eindrucksvollen Demonstrationen der "Kampfkunst" hatte sich dafür die Elite der Fechter und Fechtlehrer (siehe Teilnehmerliste) auf der Veste zusammengefunden. Diese bot dem überaus interessierten und teilweise auch fachkundigen Publikum faszinierende Einblicke in das facettenreiche Wesen der historischen Fechtkünste vom 14. bis zum 19. Jahrhundert.

omplexes Wissen um Hebelmechaniken, ein scharfes Auge, perfekte Körperbeherrschung, Fitness und profunde Kenntnisse der alten Lehren rechtfertigt dabei in jeder Hinsicht den Begriff "Kunst". Neben der Königin der blanken Waffen, dem Schwert, wurden neben vielem Anderen auch der Gebrauch "exotischerer" Fechtwaffen wie bäuerliche Sense, Stock und Axt, Spieß oder gar der für Gottesurteile eingesetzte Stechschild fachkundig erklärt und aktiv demonstriert. Spektakulär war das Zusammentreffen von Meistern des Kendo (japanischer Schwertkampf) mit herausragenden Vertretern der europäischen historischen Fechtkunst. In unchoreographierten Freikämpfen von höchster Geschwindigkeit testeten sie die jeweiligen Potentiale. Unglaublich schnell und von einer tänzerischen Ästhetik war die apulische Messerschule, die von Maestro Özgen Senol - Bastone Siciliano Ruotato Moderno, ASAMIR virtuos vorgeführt wurde. "Schnitttests" u.a. an gewässerten Strohmatten, die in Japan zur Simulation von menschlichem Gewebe bzw. Gliedmaßen genutzt worden sind und werden, veranschaulichten eindrucksvoll und erschreckend zugleich die Effizienz der europäischen Blankwaffen, die der der japanischen Schwerter in nichts nachsteht.

iner der Höhepunkte der Veranstaltung war das Rossfechten, also das Fechten mit Lanze und Schwert zu Pferde. Arne Koets und Joram van Essen, die beide diese anspruchsvollen Kunst auf höchstem Weltklasseniveau vertreten, demonstrierten fantastisches Zusammenspiel von Körperbeherrschung, Fechtkunst und harmonischem Zusammenwirken von Mensch und Tier. Großen Zuspruch fand auch das Mitmachtraining der Schwertler, die zusammen mit ihren "Haukerlen" vielen Interessierten erste Einblicke in die Kunst des Historischen Fechtens ermöglichten.

ach dem Drill einer beachtenswert großen Gruppe von Spießern des 16. Jahrhunderts kam der zweite Schwerpunkt der Veranstaltung, das Handhaben und abschließende Schießen unterschiedlichster Feuerwaffen zu seinem Recht. Es begann mit Handrohren und Hakenbüchsen des 15. und 16. Jahrhunderts und wechselte dann mit einer Salve aus sieben Erdmörsern zu den größeren Stücken, die sich in ihrer Unterschiedlichkeit von burgundischem Vorderlader, über Kammergeschütze bis hin zu Orgeln, das sind mehrläufige Schießgeräte, zogen. Die Demonstration des 17. Jahrhunderts begann mit einem Musketierzug, der unter Originalkommandos im Verband die Gewehre lud und in einer Salve abfeuerte. Dem folgte wie zuvor im 15. und 16. Jahrhundert eine breite Palette unterschiedlicher Geschütze, die von Stangenmörsern, über Regimentsstücke bis hin zu dreireihigen Vielrohrgeschützen reichten. Nicht nur akustisch sondern durch die erzeugten Druckwellen konnten die Zuschauer deren Macht auch körperlich spüren.

aut Dr. Alfred Geibig (Kunstsammlungen der Veste Coburg) muss seriöse und informative Präsentation von historischem Wissen absolut nicht langweilig sein. Dies haben die Kunstsammlungen der Veste Coburg mit perfekter Organisation und durch die Qualität der fast 200 sorgfältig ausgewählten Akteure eindrucksvoll bewiesen. Ihrem eigenen Anspruch, nämlich mit Hilfe der Zeitreise auf der Veste Coburg "Museumsarbeit mit anderen Mitteln" zu betreiben, konnten sie eindrucksvoll entsprechen.